Sonderbericht richtig schreiben: So geht's – mit Beispielen und praktischen Tipps


„Der Spieler hat mich beleidigt.“ – Warum dieser Satz für einen guten Sonderbericht nicht ausreicht und wie du es besser machst.
90 Minuten auf dem Platz, ein hitziges Spiel, eine Rote Karte – und plötzlich wartet nach dem Abpfiff noch eine Aufgabe auf dich: Du musst einen Sonderbericht
schreiben.
Was genau muss rein? Wie ausführlich sollst du werden? Welche Formulierungen sind richtig? Und was interessiert die Spruchkammer überhaupt?
Gerade jungen Schiedsrichtern fällt es häufig schwer, ein Vorkommnis so zu beschreiben, dass Außenstehende den Ablauf nachvollziehen können. Aber auch erfahrenen Unparteiischen unterlaufen Fehler.
Dabei ist ein guter Sonderbericht kein Hexenwerk. Mit ein paar Grundregeln und der richtigen Struktur gelingt er jedem.
1. Warum ist ein guter Sonderbericht so wichtig?
Stell dir vor, du sitzt in der Spruchkammer und musst entscheiden, wie ein Feldverweis zu bewerten ist.
Du warst nicht auf dem Sportplatz. Du hast das Foul nicht gesehen, die Beleidigung nicht gehört und weißt nicht, was unmittelbar davor passiert ist.
Deine wichtigste Informationsquelle ist häufig der Sonderbericht des Schiedsrichters.
Steht dort lediglich „Der Spieler beleidigte mich und sah deshalb Rot“, bleiben fast alle entscheidenden Fragen offen.
Die wichtigste Regel lautet deshalb: Schreibe deinen Bericht so, dass jemand, der nicht beim Spiel war, den Vorfall allein anhand deiner Beschreibung möglichst genau nachvollziehen kann.
Du bist dabei nicht für die Festlegung einer späteren Sperre zuständig. Deine Aufgabe ist es, den Sachverhalt vollständig, sachlich und wahrheitsgemäß zu dokumentieren.
2. Wann musst du einen Sonderbericht schreiben?
Ein Sonderbericht ist insbesondere erforderlich bei:
Feldverweisen mit einer direkten Roten Karte
Spielabbrüchen
außergewöhnlichen Vorkommnissen, beispielsweise längeren Spielunterbrechungen
weiteren Vorfällen, die eine sportgerichtliche Beurteilung erforderlich machen
Wenn du unsicher bist, ob ein Sonderbericht notwendig ist, frage lieber bei deinem Schiedsrichterobmann, dem Lehrwart oder deinem Paten nach.
3. Die goldene Regel: Beschreiben statt bewerten!
Hier liegt einer der häufigsten Fehler.
Viele Schiedsrichter beschreiben nicht, was sie tatsächlich gesehen oder gehört haben, sondern geben direkt ihre persönliche Bewertung ab.
Für die Spruchkammer ist diese Bewertung aber oft wenig hilfreich.
Beispiel 1: Eine Beleidigung
❌ So bitte nicht:
„Der Spieler rastete völlig aus, beleidigte mich massiv und verhielt sich total unsportlich.“
✅ So ist es besser:
„Unmittelbar nach meiner Entscheidung lief der Spieler mit der Nr. 8 aus etwa fünf Metern Entfernung auf mich zu. Er blieb ungefähr einen halben Meter vor mir stehen und rief mit sehr lauter Stimme in meine Richtung: ‚Du bist doch blind! Du Pfeife!‘“
Warum ist das besser?
Die zweite Version beschreibt die Entfernung, die Lautstärke, den Ablauf und insbesondere den genauen Wortlaut.
Die Spruchkammer muss nicht raten, was mit „massiv beleidigt“ gemeint war.
Beispiel 2: Ein grobes Foulspiel
❌ So bitte nicht:
„Der Spieler grätschte seinen Gegenspieler brutal um und gefährdete dessen Gesundheit.“
✅ So ist es besser:
„In der 72. Spielminute grätschte der Spieler mit der Nr. 4 etwa drei Meter vor dem eigenen Strafraum von der Seite mit gestrecktem rechten Bein und offener Sohle in Richtung des ballführenden Gegenspielers. Dabei traf er diesen mit hoher Geschwindigkeit oberhalb des rechten Sprunggelenks. Der Ball wurde nicht gespielt. Der Gegenspieler ging zu Boden und musste anschließend auf dem Spielfeld behandelt werden.“
Warum ist das besser?
Statt „brutal“ werden die konkreten Merkmale des Vergehens beschrieben: Bewegungsrichtung, Geschwindigkeit, Beinhaltung, Trefferfläche und Folgen.
Genau diese Informationen sind für die Beurteilung entscheidend.
Beispiel 3: Fehlverhalten eines Trainers
❌ So bitte nicht:
„Der Trainer drehte wegen einer Abseitsentscheidung völlig durch und warf Sachen auf den Platz.“
✅ So ist es besser:
„In der 68. Spielminute reklamierte der Trainer der Gastmannschaft lautstark eine vermeintliche Abseitsstellung. Als ich zur Auswechselbank blickte, beobachtete ich, wie er eine Trinkflasche und zwei Markierungshütchen auf das Spielfeld warf. Die Gegenstände landeten ungefähr zehn Meter von der technischen Zone entfernt. Spieler befanden sich nicht in unmittelbarer Nähe und wurden nicht getroffen.“
Warum ist das besser?
Der Bericht stellt klar, was tatsächlich geschah und welche unmittelbaren Auswirkungen der Vorfall hatte.
Merke: Begriffe wie „brutal“, „aggressiv“, „ausgerastet“ oder „heftig“ ersetzen niemals die konkrete Beschreibung einer Handlung.
4. Diese Fragen muss dein Bericht beantworten
Bevor du anfängst zu schreiben, solltest du den Vorfall gedanklich in einzelne Bestandteile zerlegen.
Unsere Empfehlung ist, dich an diesen Fragen zu orientieren:
Wann ist es passiert?
Nenne die Spielminute und den Spielstand zum Zeitpunkt des Vorfalls.
Wo ist es passiert?
Beschreibe möglichst genau den Ort: im Mittelkreis, etwa fünf Meter vor dem Strafraum, an der Seitenlinie oder außerhalb des Spielfeldes.
Wer war beteiligt?
Nenne die betreffenden Personen mit Name, Verein, Funktion beziehungsweise Rückennummer. Verwende die richtigen Angaben aus dem Spielbericht.
Was ist unmittelbar vorher passiert?
War das Spiel unterbrochen? Lief ein Angriff? Gab es ein vorausgegangenes Foul oder eine Provokation? War der Ball in Spielnähe?
Was genau hast du beobachtet?
Das ist der wichtigste Teil! Beschreibe konkrete Handlungen, Bewegungen, Kontakte oder Äußerungen. Beleidigungen sollten möglichst wortgetreu wiedergegeben werden.
Wo standest du selbst?
Wie weit warst du entfernt? Hattest du freie Sicht? Hast du den Vorfall selbst gesehen oder gehört?
Welche Folgen hatte der Vorfall?
Wurde jemand verletzt? War eine Behandlung notwendig? Konnte der betroffene Spieler weiterspielen?
Wie hast du reagiert?
Welche Entscheidung hast du getroffen? Gab es eine Verwarnung, einen Feldverweis oder weitere Maßnahmen?
Was passierte anschließend?
Wie verhielt sich die betreffende Person? Wie und wo wurde das Spiel fortgesetzt? Gab es weitere relevante Vorkommnisse oder eine spätere Entschuldigung?
Natürlich ist nicht jede Frage bei jedem Vorfall relevant. Ein Feldverweis wegen einer Beleidigung erfordert andere Informationen als ein grobes Foulspiel.
5. So baust du deinen Sonderbericht richtig auf
Ein guter Sonderbericht folgt einem klaren Aufbau.
Schritt 1: Die Rahmendaten
Am Anfang stehen die wichtigsten Informationen zum Spiel:
Begegnung, Spielklasse und Spielkennung
Datum, Spielort und Anstoßzeit
Halbzeit- und Endstand
Betroffene Person, Verein, Rückennummer und gegebenenfalls Passnummer
Name und Kontaktdaten des Schiedsrichters
Schritt 2: Ein aussagekräftiger Betreff
Beispielsweise:
„Feldverweis des Spielers Max Mustermann (Nr. 8, SV Musterhausen) in der 72. Minute wegen groben Foulspiels.“
Schritt 3: Chronologische Schilderung
Beschreibe die Situation in der Reihenfolge, in der sie geschehen ist.
Eine hilfreiche Struktur ist:
Ausgangssituation und Spielstand
Genaue Beschreibung des Vergehens
Eigene Wahrnehmung und Position
Getroffene Entscheidung und Maßnahmen
Verhalten der Beteiligten und Spielfortsetzung
Schritt 4: Relevante Ergänzungen
Gab es nach dem Vorfall eine Entschuldigung? Verhielt sich die betreffende Person weiterhin auffällig? Musste ein verletzter Spieler ausgewechselt werden?
Solche Informationen können wichtig sein und gehören deshalb ebenfalls in den Bericht.
Schreibe aber keine seitenlangen Ausführungen über den gesamten Spielverlauf, wenn dieser für den Vorfall keine Bedeutung hat.
So ausführlich wie nötig, so präzise wie möglich.
6. Die häufigsten Fehler – und wie du sie vermeidest
Fehler 1: Du verwendest nur Regelbegriffe.
„Tätlichkeit“, „Beleidigung“ oder „grobes Foulspiel“ sagen allein noch nicht, was passiert ist. Beschreibe immer die konkrete Handlung.
Fehler 2: Du vermutest, was jemand wollte.
„Der Spieler wollte mich provozieren.“
Woher weißt du das? Beschreibe stattdessen, was der Spieler gesagt oder getan hat.
Fehler 3: Du lässt wichtige Details weg.
Ein Bericht über ein Foul ohne Angabe der Trefferfläche, der Ballnähe oder der anschließenden Verletzungsfolgen ist häufig unvollständig.
Fehler 4: Du schreibst aus Ärger oder Emotionen.
Auch nach einer persönlichen Beleidigung oder einem belastenden Spiel musst du sachlich bleiben. Ironie, Übertreibungen und persönliche Kommentare haben in einem Sonderbericht nichts verloren.
Fehler 5: Du schilderst Dinge, die du nicht selbst wahrgenommen hast, als eigene Beobachtung.
Schreibe nur als eigene Wahrnehmung auf, was du tatsächlich selbst gesehen oder gehört hast. Informationen anderer Personen müssen eindeutig als solche gekennzeichnet sein.
Fehler 6: Du vergisst die Konsequenzen des Vorfalls.
Die persönliche Strafe allein reicht nicht. Beschreibe auch, wie die Beteiligten reagierten und wie das Spiel fortgesetzt wurde.
7. Was solltest du unmittelbar nach dem Spiel tun?
Die Erstellung eines guten Sonderberichts beginnt nicht erst zu Hause am Computer.
Notiere dir möglichst früh die wichtigsten Fakten: Spielminute, Beteiligte, Aussagen, Handlungen, mögliche Zeugen und besondere Umstände.
Gerade bei hitzigen Begegnungen verblassen Details schnell.
Bei außergewöhnlichen Vorkommnissen solltest du außerdem zeitnah deinen Obmann oder ein Mitglied des Kreisschiedsrichterausschusses informieren. Bei sachlichen Rückfragen von Vereinen kannst du den Anlass des Sonderberichts nennen. Vermeide aber Diskussionen über mögliche Strafen oder Mutmaßungen.
Vergiss nicht, ein berichtspflichtiges besonderes Vorkommnis auch im DFBnet-Spielbericht zu vermerken. Eine direkte Rote Karte ist dort bereits unter den persönlichen Strafen erfasst.
8. Nutze die neue Sonderbericht-Vorlage des FVR!
Seit der Saison 2026/27 stellt der Fußballverband Rheinland ein einheitliches, ausfüllbares PDF-Formular für Sonderberichte zur Verfügung.
Wir empfehlen euch, dieses Formular zu verwenden.
Der große Vorteil: Viele der entscheidenden Fragen werden bereits durch die Vorlage abgefragt. Dadurch ist es leichter, keine wichtigen Informationen zu vergessen.
Aber Achtung: Das Formular ersetzt nicht die ausführliche Beschreibung des tatsächlichen Geschehens!
Gerade die freie Schilderung des Vorfalls ist weiterhin der wichtigste Bestandteil eines guten Sonderberichts.
9. Unsere Checkliste vor dem Absenden
Prüfe deinen Bericht vor dem Hochladen noch einmal:
Sind alle Spiel- und Personendaten korrekt?
Sind Spielminute, Spielstand und Ort angegeben?
Ist der Vorfall chronologisch und verständlich beschrieben?
Habe ich konkrete Handlungen statt pauschaler Bewertungen verwendet?
Sind meine eigene Position und Sicht auf die Situation beschrieben?
Habe ich relevante Aussagen möglichst wortgetreu wiedergegeben?
Sind mögliche Verletzungen und die Folgen dokumentiert?
Habe ich meine Entscheidung und die Spielfortsetzung beschrieben?
Enthält der Bericht ausschließlich gesicherte Informationen beziehungsweise eindeutig gekennzeichnete Fremdangaben?
Ist der Text sachlich, verständlich und frei von vermeidbaren Rechtschreibfehlern?
Liegt der fertige Bericht als PDF vor?
Anschließend lädst du den Sonderbericht im DFBnet beim betreffenden Spielbericht unter „Dateien“ hoch.
10. Weitere Hilfestellungen und Musterbericht zum Herunterladen
Du möchtest dir noch einmal in Ruhe anschauen, wie ein guter Sonderbericht aussieht?
Dafür stellen wir dir zwei hilfreiche Dokumente zur Verfügung:
Leitfaden zur Erstellung eines Sonderberichts
Unser ausführlicher Leitfaden des Kreisschiedsrichterausschusses Trier-Saarburg erklärt den gesamten Ablauf und enthält zahlreiche Beispiele für geeignete Formulierungen.
Beispiel für einen ausformulierten Sonderbericht
Anhand eines konkreten Musterfalls siehst du, wie Spielverlauf, Vergehen, Entscheidung und anschließendes Verhalten zu einem nachvollziehbaren Bericht zusammengefügt werden.
Beispielbericht als PDF herunterladen:
Und wenn du dir trotzdem unsicher bist?
Dann bist du nicht auf dich allein gestellt!
Gerade unsere jungen Schiedsrichter möchten wir ausdrücklich ermutigen, sich Unterstützung zu holen. Schicke deinen Entwurf bei Unsicherheiten vor dem offiziellen Einreichen an deinen Paten, den Lehrwart, deinen Obmann oder ein Mitglied des Kreisschiedsrichterausschusses Trier-Saarburg.
Wir helfen dir gerne dabei, deinen Bericht zu verbessern.
Denn niemand erwartet, dass du von Anfang an perfekte Sonderberichte schreiben kannst. Entscheidend ist, dass du sorgfältig arbeitest und aus deinen Erfahrungen lernst.
Unser abschließender Tipp: Lies deinen Bericht vor dem Absenden einmal so, als wärst du selbst Mitglied der Spruchkammer. Würdest du verstehen, was passiert ist, ohne dabei gewesen zu sein?
Wenn die Antwort Ja lautet, hast du bereits sehr viel richtig gemacht.
Euer Kreisschiedsrichterausschuss Trier-Saarburg




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