Ein ganz leiser Abpfiff ...

Heimlich, still und leise hat er sich nach der coronabedingt abgebrochenen Saison von der Schiedsrichterei verabschiedet: Nach rund 21 Jahren ist für Alexander Rausch Schluss.  Eine große Bühne oder gar ein Abschiedsspiel hätte er sich auch gar nicht gewünscht. „Sich selbst nicht zu wichtig nehmen, den Fußball an sich in den Fokus stellen.“ Das ist eine der Devisen des 34-Jährigen, der dank seiner unaufgeregten Art unter Spielern und Trainern hohes Ansehen erlangt hat. „Wichtig war mir immer, alles zu geben und jedes Spiel – sei es eines in der Oberliga oder in der Kreisliga – ernstzunehmen.“ Dann könne man auch nach dem Abpfiff  mit den Beteiligten guten Gewissens ins Gespräch gehen und über Entscheidungen diskutieren.

Rausch hat sich immer als Pragmatiker gesehen, als Schiedsrichter – und erst in zweiter Reihe als Funktionär. Deshalb kündigt er fürs Frühjahr nach neun Jahren auch seinen Abschied als Trier/Saarburger Kreislehrwart an. „Sowohl als Schiedsrichter wie auch im Ausschuss reißt Alex durch sein Ausscheiden eine große Lücke auf“, sagt einer, der mit Rausch einst auch gemeinsam im Gespann Spiele leitete: Arndt Collmann, der Trier/Saarburger Schiedsrichterobmann. Immerhin: Als künftigen Lehrwart habe man einen erfahrenen Mann im Visier, der auch „kommunikativ und ein Freund der Praxis ist“.

Mit dem italienischstämmigen Schiedsrichterbeobachter feierte der immer für seinen Heimatverein SV Krettnach pfeifende Rausch nach einem Austausch-Einsatz im luxemburgischen Grevenmacher mal spontan die Meisterschaft von Juventus Turin – ausgelassen und feuchtfröhlich in der Umkleidekabine. 2008 stieg Rausch, der noch als 13-Jähriger die Schiri-Prüfung ablegte („Eigentlich ging das erst ab 14; bei der Anmeldung gab es aber einen Zahlendreher beim Geburtsdatum.“) in die Oberliga auf, pfiff hier fünf Jahre lang und war parallel auch vier Saisons in der A- und B-Jugend-Bundesliga Assistent, ehe er sich freiwillig zurückzog. 

Den Abschied Rauschs bedauert Erich Schneider sehr. Der aus Wintersdorf an der Sauer stammende und in Weisel am Rhein lebende Schiedsrichterobmann des Fußballverbandes Rheinland hat seinen bisherigen Schützling als „sehr zuverlässig und sehr engagiert“ kennengelernt und bescheinigt ihm, eine Vorbildfunktion für andere Unparteiische ausgeübt zu haben.  

„Die schönsten Spiele waren immer jene, in denen ich nicht im Mittelpunkt stand“, sagt Rausch. Zurückhaltung und Geduld sind wichtige Wesenszüge von ihm. Im Gegensatz zu heute, wenn junge Referees binnen weniger Jahre bereits in die Bezirksliga aufsteigen, ging es bei ihm nur mühsam voran: „In den ersten drei Jahren habe ich nur in der Jugend gepfiffen.“ Ziemlich am Anfang packte man ihn nach einem Spiel in Konz mal am Schlafittchen, später fuchtelte ein Zuschauer mal mit einem Regenschirm herum und schlug ihm ein Spieler die Rote Karte aus der Hand – in (den wenigen) Krisensituationen seinen Mann zu stehen, habe ihn auch geprägt.

     

Den Riecher, etwas zu verändern, hatte er auch jetzt. Die große Lust auf den Fußball und den wie er aus dem Tälchen stammenden Alfons Berg als leuchtendes Vorbild motivierten Rausch über viele Jahre hinweg. Vom Profifußball hat er sich schon längst abgewendet. Er findet das, was sich in der Bundesliga abspielt, zu abgehoben. Einen Schlussstrich nach der Saison zu ziehen, habe er sich insgeheim schon im vergangenen Sommer vorgenommen, lässt Rausch durchblicken. Da ist der Job in Luxemburg als Hörgeräteakustikermeister, und da ist die junge Familie mit Ehefrau Andrea und den beiden Jungs Ben (5) und Philipp (8), die noch mehr zu ihrem Recht kommen sollen.

Obmann Collmann setzt darauf, dass Rausch zumindest noch im Schiedsrichter-Förderverein weitermacht und so ein klein wenig von seiner Erfahrung weitergibt.

Rausch und Collmann können so manche Geschichte erzählen. Allerhand haben sie auch rund um die Spiele zusammen erlebt. Mal verabschiedete sich nach einem Oberligaeinsatz im Westerwald flugs der dritte Mann des Schirigespanns, und damit war auch die Fahrgelegenheit weg. Per Taxi und dank der Gnade einer hochschwangeren, ob ihres nächtlichen Einsatzes nicht gerade gut gelaunten Ehefrau ging es dann von einer Autobahn-Raststätte weiter Richtung Heimat. Das Rheinlandpokalfinale 2015 zwischen Burgbrohl und dem nach Elfmeterschießen siegreichen FSV Salmrohr war ein gemeinsamer Höhepunkt. Mit der an sie von höchster Verbandsseite angetragenen ungewöhnlichen „Bitte“ in der Halbzeit, die Farbe der Schiri-Kluft zu wechseln, weil sie sich farblich angeblich nicht genug von den Mannschaften unterschieden, gingen sie und der damalige Unparteiische  Manuel Biesemann souverän um. 

Foto: Andreas Arens

Foto:Sebastian J. Schwarz

Text: Trierischer Volksfreund

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